
Am
21. August 1934 wurde Harald Zippel im polnischen Lodz als Kind deutscher Eltern
geboren. Durch die Kriegsjahre und die Folgen des Krieges wechselte er ständig
die Schule, zuerst besuchte er zwei Volksschulen in Lodz (1941-1944), dann drei
Volksschulen in kleineren Dörfern im Thüringer Wald, schließlich
die Oberschule in den Internaten Wickersdorf und Keilhau im Thüringer Wald.
Nach der gelungenen Flucht in den Westen (1949) folgte die Oberrealschule Hof
und letztlich die Oberrealschule Augsburg (1950-1954), wo Harald Zippel das
Abitur ablegte. Ab 1956 studierte er Maschinenbau an der Technischen Hochschule
München und erhielt 1961 sein Diplom. Im Anschluss daran begann er seine
berufliche Laufbahn bei der MAN Augsburg (Abteilung Turbolader) und wechselte
1962 zur AEG-KANIS Nürnberg (Berechnungsabteilung für Dampfturbinen).
Später wurde er Abteilungsleiter des Gasturbinenverkaufs und sogar stellvertretender
Exportleiter. Nach dem Wechsel zu MAN Nürnberg 1974 (Verkaufsabteilung
für Kraftwerksturbinen) war Harald Zippel bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand
1994 Projektleiter und verantwortlich für Projekte mit einem Volumen bis
zu 200 Millionen DM.
Das Schachspiel erlernte Harald Zippel von seinen Eltern, die er bald überflügelte und so als "Trainer" den Großvater bekam. Durch die Flucht aus Lodz mit Ende des 2. Weltkrieges erfolgte eine mehrjährige Schachpause. Erst nach dem Gewinn der Meisterschaft der Oberrealschule Augsburg 1952 wurde Harald Zippel Mitglied eines Schachvereins, des SK Oberhausen (damals größter Augsburger Schachklub). Dort schaffte er innerhalb zweier Jahre den Sprung in die 2. Mannschaft und zwei 7. Plätze bei der Augsburger Stadtmeisterschaft (1956, 1957). 1955 gründete er mit sechs weiteren jungen Schachfreunden den SC Capablanca Augsburg. "Der SC Capablanca wurde von lauter jugendlichen Spielern gegründet. Da sich der SC Schwarz-Weiß aufgelöst hatte, gab es vier junge Spieler, die in keinen von älteren Spielern beherrschten Verein wechseln wollten.Sie berieten sich mit zwei Spielern vom SK Oberhausen (da war ich dabei) und zwei vom SK 1873 Augsburg. Dann wurde der Entschluss gefasst, einen neuen Verein zu gründen. Der neue Verein Capablanca wurde bei der Stadtmeisterschaft in die 3. Klasse eingeteilt und spielte im 1. Jahr mit den acht Gründungsmitgliedern die 1. Saison voll durch(es gab keinen Ersatzmann!). Nach zweimaligem Aufstieg wurde dann der 2. Platz in der Augsburger Stadt- und der Schwäbischen Meisterschaft erreicht. Nach zwei Jahren waren es schon ca. 20 Mitglieder. Der Verein Capablanca errang dann mehrmals die Augsburger und die Schwäbische Meisterschaft. Das geschah teilweise schon in den Jahren, in denen ich den Verein in Richtung Nürnberg verlassen habe.
Ich habe eigentlich nur noch Kontakt zu einem Gründungsmitglied, nämlich meinem Schwager. Über das Schicksal von SC Capablanca konnte er mir nur berichten, dass der Verein später mit dem SK Oberhausen fusionierte. Nach weiteren Jahren soll dann eine neue Fusion mit dem SC Pfersee stattgefunden haben. Es handelt sich jetzt wohl um die SG 1873 Augsburg. Das scheint der Nachfolgeverein zu sein", so Harald Zippel. Durch den beruflich bedingten Umzug nach Nürnberg trat Harald Zippel 1962 dem SC Noris Nürnberg bei, der 1968 mit dem SK Tarrasch 1873 zum SC Noris-Tarrasch Nürnberg 1873 fusionierte. Da er aus beruflichen Gründen wenig Zeit zum aktiven Schachspiel fand, gewann er bisher auch nur den Vereinspokal des SC NT Nürnberg (1976). Erst seit seiner Pensionierung kann sich Harald Zippel wieder verstärkt ans Brett begeben. Die Teilnahme an mehreren Qualifikationsturnieren zur Mittelfränkischen Meisterschaft ist der Beleg.
Ehrenamtlich hat sich Harald Zippel bereits früh engagiert: So als Schriftführer des SC Noris-Tarrasch Nürnberg (1968-1972), dann als 2. Vorsitzender (1980-1992) und seitdem als 1. Vorsitzender. Im Schachbezirk Mittelfranken ist er zudem seit 2001 Kassenprüfer. In seine Zeit als 1. Vorsitzender des SC NT Nürnberg fielen mehrere wichtige Ereignisse und Entscheidungen, so die 125-Jahr-Feier des Vereins 1998 und die Wiederaufnahme der Offenen Nürnberger Stadtmeisterschaften (seit 2000). Für die "Tarraschler" war es außerdem sehr wichtig, nach Jahren der Odyssee von Spiellokal zu Spiellokal mit dem Loni-Übler-Haus (Marthastr. 60) ein festes Domizil zu erhalten. Auch dies ist ein Verdienst Harald Zippels, dem wir zum 70. Geburtstag herzlich gratulieren!.
Hier seine Lieblingspartie aus einem Bezirksliga I-Wettkampf mit dem SK 1907 Schwabach am 16. Januar 1983. Am Spitzenbrett saß er dem favorisierten Peter Proße gegenüber und konnte einen schönen Sieg erzielen. Übrigens erreichte Harald Zippel in der Saison 1982/83 sagenhafte 100% Ausbeute.
Zippel
- Proße [B70]
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Lg5 Lg7 7.Dd2 Sc6 8.0-0-0 Ich
habe bewusst das folgende Bauernopfer einkalkuliert, allerdings mehr aus dem
Gefühl heraus. 8...Sxe4 9.Sxe4 Lxd4 10.Lb5 Dieser Zug fordert direkt
das Opfer auf b2 heraus. 10...Lxb2+ 11.Kxb2 Db6 Offensichtlich wittert
Schwarz hier Morgenluft, doch der folgende Einschlag auf e7, der wohl nicht
einkalkuliert war, entscheidet die Partie zugunsten von Weiß. 12.Lxe7
Le6 13.Lf6 d5 14.Db4 Und Schwarz gibt auf. 1-0
Udo Güldner, Pressewart Schachbezirk Mittelfranken