Ehrenmitgliedschaft des Bayerischen Schachbundes für Hermann Bischoff

Beim diesjährigen Kongress des Bayerischen Schachbundes in Ingolstadt kandidierte Hermann Bischoff vom SC Noris-Tarrasch Nürnberg nicht mehr als Bundesrechtsberater. Von der Versammlung wurde ihm für seine jahrzehntelange Tätigkeit die Ehrenmitgliedschaft angetragen. Im Folgenden gebe ich ein Portrait des Geehrten, wobei ich aus einem Schreiben an mich zitiere. Der Wortlaut bleibt unverändert:

"Ich wurde am Faschingsdienstag 1940 in Bamberg geboren. In Bamberg verbrachte ich nach dem Krieg (nachdem ich während der Kriegszeit in Nürnberg, Lichtenfels und Rossdorf am Forst Oberfranken "bevölkert" hatte) die Volksschulzeit und einen Monat im Neuen Gymnasium. Nach diesem Monat zogen meine Eltern mit mir und meinen Schwestern nach Nürnberg um, wo ich seitdem lebe. Im Juli 1959 bestand ich das Abitur am Neuen Gymnasium in Nürnberg. Anschließend studierte ich in Erlangen Jura und beendete dieses Studium im Sommersemester 1963. Danach war ich Rechtsreferendar bis zum 2. Staatsexamen im Frühjahr und Herbst 1967. Seitdem bin ich in Nürnberg im Justizdienst tätig, den ich Ende Februar 2005 als Vorsitzender eines Familiensenats am Oberlandesgericht Nürnberg beenden werde.

Das Schachspiel lernte ich im Alter von 8 oder 9 Jahren von meinen Eltern. Da in meiner Klasse im Gymnasium mehrere gute Schachspieler waren, gab es hier eine beachtliche Konkurrenz, da wir uns gegenseitig anspornten. Einer dieser Mitschüler war Peter Koch, der Vorsitzende des Schachkreises Mittelfranken-Süd. Im Jahre 1956 trat ich in den Noris-Club Nürnberg ein. Dort bin ich seitdem Mitglied. Ich spiele seit der Saison 1956/57 ständig in einer Mannschaft des Vereins, u. a. knapp zehn Jahre auch in der 1. Mannschaft. An Einzelturnieren habe ich, außer an zwei Jugendmeisterschaften in Nürnberg (1957 und 1958), außerhalb des Vereins nicht teilgenommen. Im Verein selbst wurde ich ein Mal Vereinsmeister (1977/78), zwei Mal Pokalsieger (u. a. 1980), einmal Blitzmeister und mehrfach Gewinner des sehr beliebten Sommerturniers.

An ein Mannschaftsturnier erinnere ich mich besonders: Es war die mittelfränkische Blitz-Mannschaftsmeisterschaft 1979 in Nürnberg-Altenfurt. Ich spielte in der Mannschaft mit den Röder-Zwillingen (jetzt SV Altensittenbach) und Helmut Sellack (jetzt Hamburger SG BUE). Wir erreichten ein Ergebnis, das seitdem nicht mehr erreicht wurde. Wir gewannen das Turnier vor der favorisierten Mannschaft des SC Grundig Nürnberg mit 54:0 Punkten.

Neben dem Spielen am Brett war ich auch vielfach als Funktionär beschäftigt. Von 1960 bis 1968 in verschiedenen Funktionen (Jugendleiter, Schachwart und Kassenprüfer) im Verein tätig. Im April 1968 wurde ich zum 1. Vorsitzenden des Noris-Clubs gewählt. Zum 1. Dezember 1968 wurde dann die Fusion mit dem Tarrasch-Club durchgeführt. Die Verhandlungen führten seit etwa August 1968 Hans Kral (verstorben) und Karl Bosch (jetzt VfL-Anderssen Nürnberg 1929) für den Tarrasch-Club und Manfred Koller (jetzt Blinden-SG Nürnberg) und ich für Noris. Ich wurde dann zum ersten 1. Vorsitzenden des SK Noris-Tarrasch 1873 e.V. gewählt. Im Frühjahr 1973 trat ich aus persönlichen Gründen zurück. Ein Jahr später wurde ich zum 2. Vorsitzenden gewählt. 1980 wurde ich dann wiederum 1. Vorsitzender des Vereins. Diese Position hatte ich bis 1992. Seitdem bin ich im Verein ohne Funktion. Außerhalb des Vereins war ich von 1974 bis 1993 2. Vorsitzender des Schachkreises Mittelfranken-Mitte. 1979 wurde ich zum Bundesrechtsberater des Bayerischen Schachbundes gewählt. Diese Tätigkeit beendete ich 2004 nach 25 Jahren. Ich erhielt als Dank für mein jahrelanges Ausharren auf Funktionärsposten einige Ehrungen: 1993 die Ehrenmitgliedschaft des SC Noris-Tarrasch Nürnberg, im gleichen Jahr die Goldene Ehrennadel des Schachkreises Mittelfranken-Mitte, 1997 die Goldene Ehrennadel des Bayerischen Schachbundes und 2004 dessen Ehrenmitgliedschaft.

Zum Schluss noch zwei Partien, die meine Spielweise einst und jetzt demonstrieren sollen:

Die neuere Partie stammt aus einem am 23.04.04 gespielten Mannschaftskampf. Ich hatte Schwarz:

Heidt - Bischoff [C77] Kreisliga 1
(VfL-Anderssen Nürnberg 1929-SC Noris Tarrasch Nürnberg V) 2004

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.d3 d6 6.Lg5 Le7 7.0-0 0-0 8.h3 b5 9.Lb3 Sa5 10.Sbd2 c5 11.Te1 Ld7 12.Lxf6 Lxf6 13.Ld5 Tb8 14.Sf1 Sc6 15.c3 Se7 16.Se3 Sg6 17.Sf5 Lxf5 18.exf5 Sf4 (besser Se7) 19.Lb3 Te8 20.Dd2 (?) Lg5 21.Dd1 Df6 22.Sxg5 Dxg5 23.Dg4 Dxg4 24.hxg4 Sxd3 25.Te2 c4 26.Ld1 d5 27.b3 f6 28.Lc2 Sf4 29.Td2 e4 30.Te1 Sd3 31.Te3 b4 32.cxb4 d4 33.Tee2 e3 ½-½

anstatt jetzt mit c3 und nach Td1 Tbd8 den Gegner sofort zur Aufgabe zu zwingen, spielte ich e3 und bot Remis an, das von meinem Gegner angenommen wurde. Dieses Spiel ist für meinen "Altersstil" typisch: Gute oder sogar gewonnene Stellungen verpatzen.

Früher konnte ich in der Mannschaft die meisten meiner Partien gewinnen. Hier ein Beispiel von einem Wettkampf in der bayerischen Oberliga (damals die oberste Spielklasse) an Brett 5 gegen München 1945. Ich hatte Weiß.

Bischoff - xxx [B21] Oberliga Bayern
(SC Noris Tarrasch Nürnberg - München 1945) 1973

1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 dxc3 4.Sxc3 Sc6 5.Sf3 d6 6.Lc4 e6 7.Lf4 a6 8.De2 Le7 9.0-0 g5 (das hat vorher und auch nachher niemand gespielt) 10.Le3 b5 11.Lb3 h5 (wer g5 sagt, muss auch h5 sagen) 12.Tfd1 g4 13.Sd4 Se5 14.f4 gxf3 15.Sxf3 Sg4 16.Ld4 Lf6 17.e5 dxe5 18.Sxe5 Dc7 19.Sd5 Db8 20.Sxf6+ S8xf6 21.h3 Sxe5 22.Lxe5 Da7+ 23.Ld4 De7 24.De5 Th6 25.Lc5 Db7 26.Dd6 (droht Matt auf d8 und f8) Sd5 (jetzt geht es noch schöner) 27.Df8+ Kd7 28.De7+ Kc6 29.Dd6# 1-0

Udo Güldner, Pressewart Schachbezirk Mittelfranken



Letzte Änderung:  10-Jul-2004
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