Die Bayerischen Mädchenmeisterschaften 2004 fanden dieses Jahr im Schullandheim von Kallmünz statt und mit Leonie Stohl trat leider nur eine Teilnehmerin aus unserem Verein an. Astrid Horstmann musste leider wegen Ihres USA Aufenthaltes passen. Vollgepackt mit guter Laune und etwas Lampenfieber fuhren wir am Dienstag nach Ostern Richtung Oberpfalz und mir gelang es endlich mal mich nicht zu verfahren. Gerade einmal aus dem Wagen gestiegen, stand auch schon Ann-Kathrin Schäfer mit Ihrem Vater Erich vom SC Heilsbronn neben uns. Da die beiden Mädchen sich bereits von vielen Turnieren sehr gut kennen, stand sofort fest, dass wir uns zusammenschlossen. Bei der Anmeldung stolperten wir auf die weiteren Teilnehmer der U10 aus Mittelfranken, Hanna Marie Klek vom TV1848 Erlangen und Anne Harder vom SC Uttenreuth. Ohne größere Schwierigkeiten ist es uns gelungen die vier Mädchen in einem Zimmer unterzubringen. Erich und ich hörten wohl bei der Zimmereinteilung nicht so richtig zu und nahmen natürlich prompt das falsche und selbstverständlich das beste Zimmer. Ohne unser Wissen wurden wir ausquartiert und landeten schließlich bei Manfred Schweizer vom PSV Memmingen im Zimmer, mit dem wir uns sofort anfreundeten. Das Turnier selbst begann wohl nur deshalb mit Verspätung, weil die "arme" Turnierleiterin Regina Heyne ebenfalls auf Zimmersuche war.
Eigentlich wollte ich mich ursprünglich darauf beschränken über Leonie zu berichten. Aber diese fünf Tage verliefen so harmonisch und die vier Mädchen aus Mittelfranken verstanden sich so gut, dass ich beschloss einfach über alle vier zu berichten. Ich bitte aber auch um Verständnis dafür, dass ich die anderen Jugendklassen hier vernachlässige.
Im folgenden nun eine kurze Charakterisierung über die vier Mädchen aus Mittelfranken:
Bild von links nach rechts: Ann-Kathrin Schäfer, Leonie Stohl, Hanna Marie Klek und Anne Harder.
Leonie,
ein echter Wirbelwind ohne viele Worte, mit einem brillanten taktischen Verständnis
und einem gewaltigen Potential, das sie immer noch nicht vollständig ausschöpft,
dürfte dem einem oder anderen aus unserem Verein aus vergangenen Berichten
bereits bekannt sein.
Ann-Kathrin, zwar die kleinste, aber in Sachen Schach ist sie im Laufe des Jahres unglaublich gewachsen. Kaum zu glauben, dass Sie nicht jeder auf der Stelle ins Herz schließt. Ihren ständigen Begleiter, das Glückspferd Rusty darf hier auf keinen Fall vergessen werden.
Hanna Marie, ruhig, ehrgeizig, aber ebenso liebenswert, mag kein Eis und Schokolade, hat aber ein großartiges Schachverständnis, beäugt alles immer kritisch und findet bereits die tollsten Züge.
Anne dagegen ist für ihr Alter fast schon zu vernünftig und eher zurückhaltend, aber wenn die Dämme einmal gebrochen sind, zeigt Sie Ihre Stärken. Ach ja... und anständige Männer sollten verheiratet sein, Kinder haben und vor allem nicht rauchen.
Zwei Dinge haben sie aber alle vier gemeinsam. Sie lieben Tiere, vor allem Pferde und das Zimmer war immer ordentlich aufgeräumt. Eigentlich waren Erich und ich überflüssig.
In der ersten Runde traf Leonie mit Schwarz auf Laura Gamisch. Nach einer etwas ungewöhnlichen Behandlung der Caro-Kann Eröffnung brach Leonie auf dem Damenflügel ein, trieb den König in die Brettmitte und setzte im 27.Zug Matt. Hanna Marie schlug Leah Zimmerer aus Großostheim, während Ann-Kathrin Chris Winterholler bezwang. Nur Anne erwischte einen klassischen Fehlstart gegen Bianca Stolcz.
Die vier Mädchen hatten sich am Abend ihr Zimmer häuslich eingerichtet und waren bereits bestens befreundet. Nachdem gegen 21.30 das Licht gelöscht wurde, wurde natürlich noch getratscht und gelesen. Alle, glaube ich, waren mit einer Taschenlampe ausgerüstet, wobei die von Leonies wohl die bemerkenswerteste ist, sie besitzt einen Dynamo und man muss kurbeln, um Licht zu erzeugen.
Während Erich und ich gemütlich den Abend mit Schach und Tee ausklingen ließen, tauchte Manfred mit einer Flasche Wein und einem verzweifelten Gesichtsausdruck auf. Im ganzen Haus konnte er keinen Korkenzieher auftreiben und die Flasche verschwand somit im Schrank.
Am nächsten Morgen drehte Hanna Marie mächtig auf und nutzte den Umstand, dass Ihre Gegnerin nicht rochierte und die Dame auf die E-Linie stellte. Ann-Kathrin spielte den Springer auf g4 und Ihre Gegnerin Sara Voggenreiter übersah nach h3 das Matt mit der Dame auf h2. Leonie hingegen verlor recht schnell gegen Elisabeth Günther, obwohl Sie sich bereits eine Gewinnstellung erarbeitet hatte. Auch Anne zog gegen Leah den kürzeren und verlor recht schnell.
Am Nachmittag verbuchte Anne dann Ihren ersten Punkt. Ihre Figuren löcherten die Stellung Ihrer Gegnerin Alexandra Heym. Danach fiel in jedem Zug eine Figur und das Matt im 21.Zug war eine logische Konsequenz. Yimeh-Stella Peng war hoffungslos überfordert gegen die immer stärker werdende Ann-Kathrin, die in dieser Runde eine besonders schöne Partie spielte. Hanna Marie spielte auch diesmal konsequent gegen Elisabeth, die keine Chance hatte. Lediglich Leonie verlor gegen Leah schnell, sie nutzte eben einfach nicht Ihre Zeit und war wohl auch ein bisschen müde.
Die Mädchen tobten sich dann später im Schwimmbad aus und verschwanden demzufolge diesmal früher ins Bett. Spät am Abend gesellte sich Manfred wieder zu uns. Ich brauche wohl nicht weiter zu erzählen, was er in der Hand hatte, den ganzen Abend suchte und natürlich wieder nicht gefunden hatte.
Am darauffolgenden Tag spielten an Brett 1 die beiden ungeschlagenen Hanna Marie und Ann-Kathrin gegeneinander. Diesmal war es Ann Kathrin, die nach 18... Sb4 den Läufer c2 und die Dame auf d3 angriff und das nachfolgende Dh7 Matt übersah. Leonie und Anne trafen ebenfalls aufeinander und wie auf der Bezirksmeisterschaft nach einem wunderschönen Abzugsschach ging der Punkt an Leonie.
Für den freien Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein hatte die Turnierleiterin Regina Heyne eine Wanderung auf die Burg Kallmünz eingeplant. Und hier begann Hanna Maries Pechsträhne. Ihr wurde bereits beim Aufstieg schlecht und erholte sich auch oben nicht und wurde schließlich von einem Betreuer nach unten getragen. Sie lag mit Bauchschmerzen im Bett, erholte sich aber nach zwei Tassen Kamillentee. Spät am Abend kam Manfred mit glückseligem Ausdruck im Gesicht, einer Flasche Wein und einem Korkenzieher. Zusammen mit Manfred und Regina verbrachten Erich und ich einen langen geselligen Abend.
Gut ausgeruht erschienen die mittelfränkischen Damen zum Frühstück. Auch Hanna Marie zeigte sich scheinbar erholt vom gestrigen Tage und lachte wieder herzhaft über die Sprüche von Erich und mir. Anne gewann gegen Alexandra überlegen, während Ann-Kathrin gegen Elisabeth klar gewann und hielt den Anschluss an die Spitzengruppe. Leonie baute sich hervorragend auf und hatte einen klaren Vorteil, dann aber verlor sie die Übersicht und schließlich auch die Partie. Hanna Marie spielte die Eröffnung völlig unkonzentriert. Ihre Gegnerin Chris Winterholler übersah einen Einschlag auf f7 mit nachfolgendem Damengewinn. Danach wand Sie sich aber glänzend aus der Umklammerung heraus, gewann eine Figur und nach einer Konzenterationsschwäche übersah Sie dann ein einzügiges Grundreihenmatt und verlor völlig unverdient.
In der vorletzten Runde saßen Leonie und Hanna Marie zusammen am Brett und spielten wohl die hochwertigste Partie in der U10. Hanna Marie erzielte einen Eröffnungsvorteil, verlor dann aber den Läufer, kämpfte aber verbissen bis zum letzten Zug. Ann-Kathrin verlor Ihre Partie, war aber danach keineswegs niedergeschlagen. Anne hingegen konnte wiederum einen Sieg verbuchen. Nachdem Sie sich am späten Nachmittag im Schwimmbad erholt hatten und das Abendbrot in ausgelassener Stimmung eingenommen war, standen die Paarungen der letzten Runde fest. Wir zogen uns auf das Zimmer der Mädchen zurück und alle wurden auf die letzte Runde vorbereitet.
Am Samstag früh spielte Leonie endlich einmal 1.e4 im ersten Zug und sie gewann Ihre Partie gegen Bianca klar. Ann-Kathrin setzte sich gegen Laura durch und sicherte sich den zweiten Platz. Anne verlor die Nerven und stellte einzügig einen Springer ein, schade... schade. Hanna Marie jedoch spielte sich eine überlegene Gewinnstellung heraus, verlor aber plötzlich die Übersicht, und Sara Voggenreiter war somit die Turniersiegerin mit 5,5/7. Den dritten Platz sicherte sich Leah aus Großostheim und für Hanna Marie blieb leider nur der undankbare vierte Platz. Leonie wurde sechste mit 4/7, und es wäre hier jedoch durchaus mehr möglich gewesen. Anne eroberte sich mit 3/7 den achten Platz und hat sich im Laufe dieses Turnier deutlich gesteigert.
Herzlichen Glückwunsch an Ann-Kathrin, die nicht nur jeden mit ihrem schönen Schachspiel begeisterte, sondern auch mit ihrer außergewöhnlichen liebenswerten Ausstrahlung. Ich bin sicher, ganz Mittelfranken wird Ann-Kathrin auf der Deutschen die Daumen drücken.
Der Turnierleiterin Regina Heyne ist es mit großem Einsatz in diesen fünf Tagen gelungen, ein Turnier auf die Beine zu stellen, das wirklich Spaß und Freude am Schach spielen vermittelte.
Auf der Heimfahrt habe ich natürlich wieder einmal eine Abzweigung übersehen, wundert das jemand?
mailto:Dieter.Sroka@fernuni-hagen.de
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Letzte Änderung:
26-Apr-2004
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