Das
jetzige Gotteshaus ist das dritte oder vierte an seinem Platz. In der
langen Amtszeit von Papst Klemens XI. (1700-21) wurde die
Hl.-Kreuz-Kapelle zu Kersbach das Ziel von Wallfahrten an den Festen
der hl. Helena (18. August) und Kreuzauffindung (3. Mai). Der Papst
gewährte den Pilgern mit zwei Briefen aus den Jahren 1709 und
1716 unter der Bedingung einer reumütigen Beichte und des
Empfanges der hl. Kommunion einen Ablaß und ermahnte sie, für
die Eintracht der christlichen Fürsten untereinander, für
die Erhaltung des wahren Glaubens und für die Stärkung der
Kirche zu beten.
Bald wurde die Kirche zu klein und auch
ruinös. Der bayerische Kurfürst Karl Albert befreite die
Kersbacher vom Dienst am Rothenberger Festungsbau, bzw. von Arbeiten
für die Garnisonkirche und gestattete ihnen weiterhin die eigene
Verwaltung ihres Kirchenvermögens. Pfarrer Knauer von
Neunkirchen am Sand sowie die Kersbacher Kirchenpfleger Hans
Haberdasch und Georg Bauer erhielten im Jahre 1740 die Genehmigung
für den Bau einer größeren Kirche. Der Baumeister
Wenzel Schwesinger vereinfachte die zu teuren Pläne aus den
Werkstätten von Justus Heinrich Dientzenhofer und Michael
Küchel. Die beiden Untergeschosse des Turmes waren schon 1709
entstanden. Die Bauzeit des neuen Gotteshauses betrug knapp drei
Jahre.
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Aus den benachbarten Steinbrüchen schaffte man 4618 Quadersteine herbei. Wegen Teuerung und Futtermangels waren für den Transport eines einzigen Quadersteines drei Kreuzer Fuhrlohn an den Bauern zu entrichten, der mit seinem Fuhrwerk bei den Bauarbeiten half. Viele Schnaittacher Handwerksmeister arbeiteten am Neubau mit. Der Amberger Meister Philipp Jakob Schmutzer stukkierte die Gewölbe, wobei die großen Spiegel und die Kartuschen in den Stichkappen freiblieben. Der Schnaittacher Meister Melchior Doser leistete die Schreinerarbeiten an den Altären, die Faßmalerei besorgte Andreas Karl Brückner aus Ebermannstadt, als Meister der Schnitzarbeiten gelten Georg Reuß, Bamberg, oder A. Lambeck, Schlicht. |
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Die
beiden Nebenaltäre im Rokoko-Stil gehen auf eine Stiftung der
kinderlosen Bäuerin Katharina Schlenk, genannt "Madlbäuerin",
von 1763 zurück. Sie vollendete ihr irdisches Leben, noch bevor
die Altäre 1764 aufgestellt wurden. Der Josefsaltar zeigt zu
beiden Seiten Skulpturen der hll. Sebastian und Wendelin, der
Marienaltar entsprechend den hll. Johannes Bapt. und Johannes Ev. Die
Kanzel wurde wohl 1761 in Bamberg gefertigt und ein Jahr später
von Andreas Karl Brückner kostbar gefaßt. Sie zeigt an den
Ecken drei Engel mit den Symbolen für die Kardinaltugenden:
Glaube (Kreuz), Hoffnung (Anker) und Liebe (Flammenherz). Am 26.
September 1742 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche
gefeiert werden. Mit bischöflicher Erlaubnis weihte Dekan Johann
Andreas Fleischmann, Pfarrer zu Bühl, vorläufig die Kirche.
Als die Gemeinde zu Kersbach Anfang 1784 erfuhr, daß
der Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, Franz Ludwig von
Erthal, die Pfarrei Schnaittach zu visitieren und auch die
Rothenbergpfarrei zu besuchen gedenke, bat sie durch Dekan Bihn in
Neunkirchen um die offizielle Altarweihe. Zu dieser Zeit lebten auf
dem Rothenberg eine Reihe von sogenannten Ex-jesuiten, die nach der
vorübergehenden Aufhebung ihres Ordens dort ihre priesterlichen
Dienste versahen. Damals gab es in Kersbach täglich einen
Gottesdienst. Einer dieser Exjesuiten war der Pfarrer Anton
Trötscher. Am 9. Mai 1784 kam es zur feierlichen Weihe, wobei
die Reliquien der heiligen Märtyrer Coronatus, Bonus und
Prospera in den Altartisch des Hochaltares gesenkt wurden. Der
Fürstbischof war mit dem Seminarregens und seinem Hofkaplan
gekommen. Außerdem hatte der Neunkirchener Dekan noch
eingeladen: Benediktiner aus Weißenohe, Franziskaner aus
Gößweinstein, die Pfarrer von Lichtenfels,
Kirchröttenbach, Schnaittach, Stöckach, Königstein
sowie die beiden Geistlichen vom Rothenberg, unter ihnen eben auch
Anton Trötscher. Jeder dieser geistlichen Herren versah im
Gottesdienst einen Dienst, über den er anschließend
urkundete. Dekan Bihn aus Neunkirchen a.S. war wegen Krankheit
entschuldigt.
Die Kersbacher konnten sich ihres schönen
Gotteshauses kaum mehr als zwanzig Jahre in Ruhe erfreuen. Im Zuge
der Überführung geistlichen Eigentums in weltlichen Besitz,
unter dem bayerischen Minister Montgelas, wurde die Kirche zur
"Feldkapelle" erklärt, sollte abgerissen und mit ihrem
Vermögen für den Bau eines Armenhauses in Schnaittach
verwendet werden. Pfarrer Burger von Neunkirchen sowie die Vertreter
der Gemeinde Kersbach, Leonhard Kalb, Ulrich Pezold und Konrad
Goller, erreichten mit einem Bittgesuch des Jahres 1806, daß
die Kirchen erhalten blieb.
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Im Jahr 1885 ersetzte die Gemeinde Kersbach die kleine, gebraucht gekaufte Orgel aus Ottensoos durch eine neue Kegelladenorgel der Firma Steinmeyer, Öttingen, ein Instrument mit neun klingenden Registern. Hundert Jahre später baute Volkmar Krätzer, Nürnberg, ein zweites Manual als Schleiflade mit weiteren sechs Registern ein. Im gleichen Jahr 1985 gelangte die umfassende Grundsanierung und Restaurierung der Kirche zum Abschluß. Dazu stiftete der damalige Pfarrer, Geistlicher Rat Georg Drummer, aus eigenen Mitteln die Ölbilder im Deckengewölbe und die Grisaillen in den Stichkappen. Sie sind ein Werk des Nürnberger Kunstmalers Georg Kuboth. In den Jahren 1838/39 wurde die Festung Rothenberg aufgelassen. Der Rothenberger Pfarrverweser, Daniel Mertel, und der Kersbacher Gemeindevorsteher, Michael Haberdasch, beantragten in Bamberg die Bildung einer eigenen Pfarrei mit den Orten Kersbach, Weißenbach, Siegersdorf, Rabenshof sowie Enzenreuth und dem Hinterhof aus dem ehemaligen Vermögen der Festungspfarrei. Im neuen Pfarrsprengel von Kersbach sollte außerdem eine Schul- und Mesnerstelle entstehen. 1841 genehmigte der Freiherr von Lerchenfeld diesen Antrag, und so amtierten ab 1849/50 Pfarrer und Lehrer in Kersbach. Das Gnadenbild der Muttergottes vom Rothenberg, einst Ziel großer Wallfahrten, fand nun in Kersbach eine neue Heimat. Dem ersten Pfarrer, Adam Liebert, folgten in Kersbach bisher folgende Pfarrer: 1.)Liebert, Adam 1842 – 49; 2.) Brückner, Georg Franz 1859 – 60; 3.) Scharold, Georg: 1860 – 76; 4.) Hugel, Kaspar: 1876 – 79; 5.) Ernst, Johann , Dr. : 1879 – 92; 6.) Güttler, Georg: 1892 – 98; 7.) Schubert, Albin: 1898 – 1906; 8.) Riffel, Rudolf Georg: 1906 ab Febr.; 9.) Finzel, Gallus: 1906 ab Juli; 10.) Mayer, |
Pankraz: 1906 – 24; 11.) Heinlein, Georg: 1924 – 47; 12.) Bauer, Georg: 1947 – 54; 13.)Drummer, Georg: 1954 – 92; nach ihm als Pfarradministrator der Stud. Dir. i. R. Kurt Völkl: 1992 - 2002; seither blieb das Pfarrhaus unbewohnt. Pfarrer i. R. Johannes Wagenknecht, mit Wohnsitz in Simmelsdorf, betreute die Pfarrei mit drei wöchentlichen Gottesdiensten bis Juli 2006, neben der Pfarradministratur von Pfarrer Tomislav Antekolovic in Neunkirchen a.S. Seit September 2006 gehört die kleine Pfarrei Kersbach zum Seelsorgebereich der Pfarreien St. Otto in Lauf, Mariae Himmelfahrt in Neunkirchen a. Sand und Kreuzauffindung in Kersbach. In der Übergangszeit hielten mehrere Geistliche aus dem Raum Nürnberg - Erlangen vertretungsweise in Kersbach Gottesdienste. Seit 1. September 2006 hält Pfarrer Antekolovic in Kersbach einen Sonntagsgottesdienst und Kaplan Thomas Hauth aus der Pfarrei St. Otto an jedem Dienstag eine Abendmesse und auch Andachten.
Der Ort Kersbach wird nach neuem Kenntnisstand im „Lehnbuch der Schenken von Reicheneck von 1331“ erstmals urkundlich erwähnt, eine Hl.-Kreuz-Kapelle, mit einem kleinen Kirchengut, zum Jahr 1363.
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Christliches Leben
begann hier jedoch schon bald nach der Stiftung des
Benediktinerinnenklosters Bergen bei Neuburg an der Donau durch
die sel. Herzoginwitwe Biltrude im Jahr 976. Erstes Patrozinium
des Klosters waren Maria und Johannes Ev., später übernahm
die Abtei das Patrozinium Heilig Kreuz. Die Stifterin soll im
Besitz einer Heilig-Kreuz-Reliquie (s. Bild rechts) gewesen sein.
Das Kersbachtal gehörte zum eichstättischen
Klosterbesitz, der sich in Streulage rund um Hersbruck, bis weit
über Hohenstein und Rothenberg hinaus erstreckte.
Neunkirchen entstand vor 1007 als Missionspfarrei.
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Rabenshof, schon 1275 urkundlich erwähnt, gehörte im Mittelalter unmittelbar zur Abtei Bergen. Siegersdorf leistete bereits im gleichen Jahr seine Abgaben an den klösterlichen Oberverwalter |
Darstellung des Kreuzreliquiars; darunter Kopf der Stifterin mit Halskette und in der Gloriole. |
auf dem Hohenstein. Die Eigentumsrechte an dieser Burg und am Markt Hersbruck wurden im Jahr 1359 von Kaiser Karl IV. dem Kloster Bergen abgekauft. Teile des ehemaligen Landbesitzes blieben der Abtei noch bis 1504, 1529, bzw. bis 1556 erhalten. In Kersbach lebten im Spätmittelalter die Herren von Sittenbeck (auch Sickenbeck) mit ihren Familien, klösterliche Niedervögte, die im Ort ein Wasserschloß bewohnten. Nach ihrem Aussterben fiel ihr Besitz an das Haus Wittelsbach heim, dem seit dem Hochmittelalter die Hauptvogtei mit dem Hohenstein zustand. Kaiser Karl IV. stiftete 1366/68 mit Siegersdorfer Abgaben zwei Frühmessen auf dem von ihm gekauften Rothenberg. Dort gab es seit etwa 1330 eine Marienkapelle. Der Kaiser begründete zusätzlich für Soldaten und Bedienstete seiner militärischen Zentrale auf der Bergeshöhe die Pfarrei St. Wenzel.
Kaiser Karl IV.
schuf zur Landesverteidigung die Burghut auf dem Rothenberg. Diese
Einrichtung finanzierte er in nächster Nähe mit den
Leistungen von Bauern in Kersbach und Weißenbach. Die spätere
Ganerbschaft der Herrschaft Rothenberg lehnte die Pflicht zur Burghut
ab. Die Belehnung mit der Burghut blieb dem einzelnen Ritter
überlassen, wenn er das Vertrauen des Landesfürsten genoß.
Die Burghutbauern bestritten nicht den Lebensunterhalt der Ritter,
die mit einer Burghut belehnt waren, sondern leisteten ihnen
Mannschaftsdienste für die Landesverteidigung und lieferten
dafür, zusätzlich zum Neunkirchener Zehenten, Geld- und
Naturalsteuern ab. Die Wittelsbacher behielten mit dieser Einrichtung
in Kersbach ein "Standbein" in den widerstrebenden
Herrschaftsansprüchen der Stadt Nürnberg, der Ganerben auf
dem Rothenberg und auch der Markgrafen. So kam es, daß nach
Wegfall der Burghut die Kersbacher Bauern von den Wittelsbachern
schließlich wie kurbayerische Hofmarkshintersassen behandelt
wurden, denen die fürstliche Gunst sicher blieb, selbst
unabhängig vom wechselnden religiösen Bekenntnis der
wittelsbachischen Pfalzgrafen. Die Reformation berührte Kersbach
kaum. Nach den Brandschatzungen und Zerstörungen in den Jahren
1449 und 1635 sorgten die Kersbacher dafür, daß jede Woche
wieder Gottesdienste in ihrer Kirche gefeiert wurden.
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Mit der Gemeindereform von 1972 fanden Kersbach und Weißenbach (bisher Gemeinde Kersbach) Anschluß an die Gemeinde Neunkirchen a.S., während die anderen Ortschaften der Pfarrei Kersbach, nämlich Siegersdorf, Rabenshof, Enzenreuth und die Einöde Hinterhof (bisher Gemeinde Siegersdorf), zur Marktgemeinde Schnaittach kamen. Erwähnt werden muss noch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1956, in Siegersdorf eine kleine Kapelle gebaut wurde, als Dank für glückliche Heimkehr. In dieser, bzw. vor ihr werden mehrmals im Jahr katholische Gottesdienste der Pfarrei Kersbach gefeiert. Weiteres zur Geschichte von Siegersdorf hier . |
Dr.
Margarete Adamski, Kersbach.
Lit.: Adamski, Margarete:
Kersbach am Rothenberg,
in: Altnürnberger Landschaft e.V., Sonderh. 43, 1994/95:, ferner
dieselbe in: Neunkirchner Geschichtshefte: Nr. 7, 1996 u.
Pegnitz-Zeitung v. 3.11.1994.