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updated 24.06.2007
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  Schulentwicklung am Geschwister-Scholl-Gymnasium

Schulen haben sich schon immer entwickelt. Vorgaben von außen gaben einen verbindlichen Rahmen vor. Mit eigenen Schwerpunktsetzungen konnten Schulen individuelle Akzente setzen und sich so profilieren. Schulentwicklung als gezielter Prozess ist dagegen eine vergleichsweise junge Entwicklung.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich eine Schule nicht von selbst weiterentwickelt um neue Herausforderungen zu bestehen. Eher sorgt die Beharrungstendenz des "es war schon immer so" und "das haben wir noch nie so gemacht" für ein Verharren im Bisherigen, mit dem man neuen Zeiten nicht mehr gerecht werden kann. Gern tarnt man dies mit dem Mäntelchen des "Bewahrens von Bewährtem". Die Skepsis gegenüber Neuem nennt man auch gerne "man muss nicht jedem neumodischen Trend hinterherlaufen". Eine gute Schule zeichnet sich also aus durch ein gutes Maß des Bewahrens von wirklich Bewährtem und der Offenheit für zukunftstaugliche Innovationen, um insbesondere den Schulabgängern für weitere Bildungsgänge und für den Beruf optimale Chancen mitzugeben.

Im Jahr 1997 führte unsere Schule erstmals eine Umfrage durch unter Schülern, Lehrern und Eltern, um Stärken und Schwächen, Zufriedenheit und Unbehagen zu erfragen. Uns war damals schon klar, dass ein erfolgreicher Schulentwicklungsprozess als erstes eine Bestandsaufnahme der Ist-Situation erfordert. Weil wir diese Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schulentwicklung und Bildungsfragen (ISB) in München vorbereiteten, erhielten wir auch eine Einladung zur Mitarbeit an dem fünf Jahre von 1998-2003 dauernden Modellversuch "Wissensmanagement an Schulen und Schulentwicklung".
Wissensmanagement meint dabei das Bemühen, Wissen bei Schülern nicht nur kurzzeitig einzuspeisen, sondern nachhaltig zu verankern und für Transferleistungen abzurufen. Hierzu erprobten wir neben anderem die Arbeit mit dem Activboard, einer elektronischen Tafel, mit der wir seitdem vor allem in der Oberstufe arbeiten.

Als Beitrag zur Schulentwicklung entwickelten wir den 45-Plus-Tag, an dem Projekte fachbezogen oder fächerübergreifend unabhängig vom kleinschrittigen 45-Minuten-Rhythmus der üblichen Unterrichtstunden durchgeführt wurden. Leider machen in den letzten Jahren nur wenige Lehrer mit ihren Klassen von dieser Möglichkeit Gebrauch.
Die vielfältigen Aktivitäten, die sich an unserer Schule im Unterricht und darüber hinaus angesammelt hatten, fassten wir zusammen in dem Schulentwicklungsprogramm GRISE (Gymnasium-Röthenbach-Innere-Schul-Entwicklung). "Wir praktizieren GRISE, damit wir nicht in eine Krise geraten", war ein damals geprägter Slogan, so nachzulesen im Jahresbericht 2002. Es war ein erster Schritt, um Einzelaktivitäten zu einem Gesamtkonzept zu vernetzen, aber eben doch nur eine Auflistung eines Vielerlei.

Im Zuge der Regionalen Lehrerfortbildung Mittelfranken wurden in einem Pilotprojekt die Fachbetreuer der vier Gymnasien unseres Landkreises für ihre verantwortungsvollen Aufgaben gezielt qualifiziert. Ein Ergebnis für unsere Schule war ein von den Fachbetreuern erarbeitetes Schulprogramm, das auf der Grundlage des Zusammenwirkens von Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schülern die beiden Bereiche Wissensvermittlung und Persönlichkeitsbildung gleichrangig als die beiden Säulen unseres Profils benennt. Dieses Programm wurde veröffentlicht im Jahresbericht 2005.
Seit 1.8.2002 trägt unsere Schule den neuen Namen Geschwister-Scholl-Gymnasium. Dies hat sich in den zurückliegenden fünf Jahren vielfach als guter Griff erwiesen. Unser Selbstverständnis als Schule, unsere "Corporate Identity" – wie man das heute auch nennt, hat durch diese Namensgeber eine tiefere Identifikation erhalten. Wir verstehen uns als tolerante, demokratische, an Grundwerten unserer Gesellschaft orientierte Schule. Wir räumen seitdem der Werte-Erziehung bewusst einen breiteren Raum ein. Dazu arbeiten wir auch zusammen mit dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg und haben regelmäßig Zeitzeugen von damals und engagierte Menschen von heute zu Gast.

Gemeinsam mit der ebenfalls nach den Geschwistern Scholl benannten Hauptschule, mit der wir das Gebäude teilen, haben wir unter intensiver Mitwirkung der Schüler beider Schulen gemeinsame Schulregeln erarbeitet. Beide Schulen arbeiten auch mit Tutoren, Streitschlichtern und Schulwegbegleitern (cool rider), gemeinsam betreiben wir Schülerfirmen, betonen das Verbindende und gehen gemeinsam gegen Störer vor.
Auf Fortbildungen, durch persönliche Kontakte und aus der einschlägigen Fachliteratur haben wir gelernt, dass Schulentwicklung im wesentlichen drei Komponenten hat: Organisations-Entwicklung, Personal-Entwicklung und Unterrichts-Entwicklung. Experten sagen, wer nicht in allen drei Bereichen arbeitet, wird letztlich nicht erfolgreich sein. Interessanterweise decken sich diese Erkenntnisse mit den Ergebnissen unserer erneuten Umfrage im Jahr 2006. Hier wurden die Unterrichtsgestaltung, die Lernumgebung und die Kommunikation als drei Felder deutlich, in denen der dringendste Handlungsbedarf besteht.

Daraus haben wir die Zielbeschreibungen für das jetzt abgelaufene Schuljahr 2006/ 2007 abgeleitet:
Eine Schulentwicklungsgruppe des Lehrerkollegiums nahm sich des Themenfeldes Kommunikation an und entwarf mit Hilfe einer kompetenten externen Moderatorin Leitlinien für eine verbesserte Verständigung unter den am Schulleben Beteiligten. Eine Steuerungsgruppe wurde zur Koordination der Schulentwicklungsmaßnahmen ins Leben gerufen.
Die Lernumgebung wird mit dem Mensa-Neubau, mit neu gestalteten Aufenthaltsräumen, mit verbesserter Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung deutlich optimierte Akzente erhalten. Der Betrieb von zwei Schülerfirmen trägt wesentlich dazu bei, v.a. die Übernahme der Cafeteria am Hallenbad durch die Lazy's AG.

Für das weite Feld der Unterrichtsgestaltung wurden mehrere Prozesse initiiert. Unser Angebot wurde erweitert durch die spät beginnende Fremdsprache Italienisch und jetzt noch einmal neu durch den wirtschaftswissenschaftlichen Zweig. Unsere technische Ausstattung wurde durch PCs und Beamer auf allen Stockwerken und in allen Fachräumen, zuletzt auch in der Verwaltung revolutionär optimiert.
Die Lehrkräfte wurden ermutigt und geschult, die Vielfalt der von ihnen praktizierten Unterrichtsmethoden gezielt zu erweitern. Elemente des Methodenkompetenz-Trainings nach Klippert wurden ebenso eingebaut wie Kontakte mit dem Pädagogischen Institut (PI) der Stadt Nürnberg. Ich räume allerdings durchaus ein, dass wir in manchen Bereichen wieder hinter Standards zurückgefallen sind, die wir vor Jahren bereits erreicht hatten. Ich erinnere hierbei etwa nochmals an die 45-Plus-Tage, die Freiarbeit in der Unterstufe oder das Methodenkompetenztraining für alle.
Bewährt hat sich die Einführung in die Arbeitsweisen der Kollegstufe für unsere 11.Klassen in den letzten Tagen des Schuljahres. Wieder anknüpfen wollen wir im kommenden Schuljahr an ein verbindliches Kompetenzprogramm für alle 5. Klassen, das die Elemente Leseverstehen, Methodenkompetenz, Lernen lernen und Geschwister-Scholl-Identität für alle erfahrbar macht. Wir haben es bereits im letzten G9-Jahr erfolgreich praktiziert, dann aber wieder aufgegeben. Wir dachten, die Intensivierungsstunden des G8 könnten dasselbe auch leisten, mussten aber erkennen, dass hier andere Ziele des fachbezogenen Übens und Vertiefens im Vordergrund stehen.
Das Schulforum, in dem Lehrer, Eltern und Schüler zusammenwirken, versteht sich unter anderem als Motor für diese Schulentwicklungsaktivitäten. Qualitätsmanagement und Evaluation sind in diesem Zusammenhang zwei Schlüsselbegriffe. Wir haben uns in einen systematischen Prozess der Qualitätssicherung hinein begeben, der in den Schritten Bestandsaufnahme – Zielvereinbarung – Handlungsplanung –Durchführung – Evaluation und Beratung verläuft.
Unsere Umfrage im Jahr 2006 war ein Schritt der kontinuierlich erforderlichen Evaluation, jedem Lehrer wird darüber hinaus eine individuelle Evaluation seines Unterrichts zusammen mit seinen Schülern empfohlen. Im kommenden Schuljahr wird auch ein externes Expertenteam unter Federführung der Dienststelle des Ministerialbeauftragten unsere Schule und unsere Entwicklungen von außen her evaluieren.
Der Weg, auf dem wir sind, ist gut. Manches haben wir in die Wege geleitet, manches mit nachhaltigem Erfolg, manches ist wieder stecken geblieben, vieles bleibt noch zu tun. Wichtig ist, dass wir in Bewegung bleiben, in einem Entwicklungsprozess, in den alle einbezogen sind, damit auch alle davon profitieren können.

Peter Scharrer