Trachtengeschichte

Letzte Aktualisierung - 01.02.2003 20:40 Uhr

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Geschichte und Selbstverständnis des

Bayerischen Trachtenverbandes e. V.

"Wissts wos, gründ ma an Verein!"

 

                     

Diesen Entschluss des 1848 geborenen Lehrers Josef Vogl, ausgesprochen am Pfingstmontag 1883 am Stammtisch beim "Alten Wirt" in Bayrischzell, sieht die bayerische Trachtenbewegung als ihren Beginn an. Auslöser dafür, einen Trachtenverein zu gründen, war das Bedauern einiger Männer darüber, dass die kurze Lederhose immer mehr verschwand. Der Entschluss wurde zügig umgesetzt. Am 13.7.1884 wurde der "Verein für Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthale" formell gegründet und Josef Vogl zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Als Zweck des Vereins nennt die Satzung neben der Förderung der Vaterlandsliebe, der Treue zum Königshaus und des Heimatkreises die "Wiederauffrischung der im Verschwinden begriffenen kleidsamen Volkstracht" und die "Neubelebung des alten Gebirgs - Volks - Gesanges".

Die Satzung beschrieb die alte kleidsame Tracht der Gebirgsbewohner mit "kurzer Lederhose, Kniehösl (also die Wadelstutzen), Joppe und kleiner grüner Hut" und sie verpflichtete die Vereinsmitglieder zum Tragen der Tracht. Das bayerische Königshaus begrüßte die Vereinsgründung und sprach dem Lehrer Josef Vogl den Dank für diese Tat aus. Der Dank hat seine Wurzeln.

Denn schon 1853 wünschte der bayerische König Max II., dass die zweckmäßigen und bewährten Volkstrachten erhalten bleiben. Dabei genügte es ihm nicht, dass die Trachten nach wissenschaftlichen Erhebungen dokumentiert werden. Durch eine entsprechende Anordnung wurden die Staatsbehörden angehalten, sich für die Bewahrung der Landestracht einzusetzen. Aber offensichtlich konnte die Anordnung den Einfluss der Mode nicht aufhalten. Vielmehr bedurfte es der Entschlusskraft einiger weniger, nicht als Einzelgänger, sondern in der Gemeinschaft eines Vereins dafür zu sorgen, dass das überkommene Gewand erhalten blieb.

Eines fällt an der Satzung des ersten Trachtenvereins auf: Die Tracht der Frauen ist nicht erwähnt. Vielleicht bestand für die überkommene Kleidung der Frauen keine Gefahr. Und dass Frauen nicht Mitglieder des Vereins werden durften, beruhte möglicherweise darauf, dass Frauen damals im öffentlichen Leben wenig zu sagen hatten.

Unabhängig davon ging von der Vereinsgründung in Bayrischzell ein kräftiger Anstoß aus. Bereits sieben Jahre später bestanden 15 Vereine im Gebiet um den Wendelstein, die sich 1890 zu dem für die Trachtenbewegung in Bayern so wichtigen Gauverband I zusammenschlossen. In der Zeit danach entstanden auch in Nürnberg und Umgebung Trachtenvereine. Sie bildeten noch vor dem 1. Weltkrieg eine Vereinigung, die sich 1930 als Gauverband "Vereinigung bayerischer Volkstrachtenvereine links der Donau" mit dem Sitz in Nürnberg in die gesamtbayerische Trachtenbewegung einfügte und den gesamten nordbayerischen Raum umfasste. Aus ihr sind später die selbständigen Gauverbände Oberpfalz und Mittelfranken entstanden.

Der 1. Weltkrieg brachte zwar einen vorübergehenden Stillstand, aber bald nach Kriegsende ging die Entwicklung der Trachtenbewegung stürmisch weiter. Damit wuchs auch der Wunsch nach größerer Einheit. Im Oktober 1925 war es so weit. Zehn Gauverbände mit 303 Vereinen und 19.135 Trachtlern schlossen sich als "Vereinigte Bayerische Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes" zusammen. Dem folgten bald weitere Gauverbände nach. Der Oktober 1925 kann daher als Gründungsdatum des heutigen "Bayerischen Trachtenverbandes e. V." mit Sitz in Traunstein betrachtet werden.

Somit kann in diesem Jahre neben dem Jubiläumsverein Feucht auch der Bayerische Trachtenverband sein 75jähriges Gründungsjubiläum feiern, welches am 24./25.9.2000 mit einem Staatsakt begangen wurde.

Zur vorstehend aufgezeichneten Entwicklung hat sicher auch beigetragen, dass 1927 mit dem "Oberländer Heimatboten" eine Zeitung der Trachtenbewegung entstand. Unter dem Namen "Heimat- und Trachtenbote" ist sie bis heute das 14tägig erscheinende Presseorgan des Bayerischen Trachtenverbandes.

150 - Jahr - Feier Lehrer Josef Vogl

Den ersten großartigen öffentlichen Höhepunkt der Trachtenbewegung stellte das 1930 gefeierte Trachtenfest in Rosenheim dar. Die damals vereinigten 13 Trachtengaue mit 24.000 Mitgliedern hatten eingeladen.

Weit über 10.000 Trachtlerinnen und Trachtler waren der Einladung zu einem Festzug mit 30 Trachtenkapellen gefolgt, der eine glanzvolle, bis dahin noch nicht erlebte Demonstration für Volkstum und Heimat war. Rund 40.000 Zuschauer konnten sich bei strahlendem Himmel an den im besten Sinne kleidsamen bodenständigen und vielfältigen Trachten erfreuen.

Mit dem Jahr 1933 begann auch für die Trachtenbewegung eine schwere Zeit. Von Anfang an waren die Trachtenvereine politisch und konfessionell neutral und dem christlichen Glauben verpflichtet. Das war zwangsläufig dem NS-Regime zuwider. Im Zuge der Gleichschaltung des öffentlichen Lebens wurden Zusammenschlüsse auf Reichsebene herbeigeführt und neue Trachtenverbände im Rahmen der NS-Kulturgemeinde gegründet. Schließlich wurden die Trachtenvereine sogar der KdF (Kraft durch Freude) - Organisation angegliedert, so dass aus einem Gauvorstand ein Gruppenwart wurde. Die auf den christlichen Glauben hinweisenden Embleme in Vereins- und Gaufahnen waren den Regierenden genauso verhasst wie die Festgottesdienste bei den großen Trachtenfesten, die ebenso wie die Weihnachtsfeiern in den Vereinen verboten wurden. Die Trachtenzeitung musste im Mai 1941 infolge der Kriegswirtschaft ihr Erscheinen einstellen.

Thomas Bacher, Gründungsvorsitzender des Bayer. Trachtenverbandes

Nach Ende des 2. Weltkriegs regte sich bald wieder Leben in den Trachtenvereinen und den früheren Gauverbänden.

Zwar wurden sie von der damaligen Militärregierung mit Argwohn betrachtet, so dass nur wenige dem großen Trachtler Thomas Bacher am Grab die letzte Ehre erweisen konnten, der von der Gründung der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände" 1925 bis zu seinem Tod im November 1945 deren 1. Vorsitzender war. Aber der Wieder- und Neuaufbau der Trachtenvereine schritt dennoch unaufhaltsam weiter, insbesondere als im März 1948 das Verfahren der Lizenzierung vereinfacht wurde und die Lizenzierung der Gauverbände in die Hand des Kultusministeriums gelegt war. Zu Beginn des Jahres 1949 erschien auch das bewährte Presseorgan, der "Oberländer Trachtenbote" wieder. Eine erste Bestandsaufnahme ergab, dass in 500 Trachtenvereinen rund 45.000 Mitglieder vereint waren.

Ebenso wie 1948 der Verband "Vereinigte Bayerische Trachtenverbände e.V." mit Sitz in Traunstein lizenziert worden war, erhielt auch der "Landesverband bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine" mit Sitz in München, der seit 1909 bestand, die Lizenz. Nach vielen Jahrzehnten des Bemühens die beiden großen bayerischen Trachtenverbände zu einem Gesamtverband zu vereinigen, ist es in den letzten zwei Jahren gelungen, den Zusammenschluss vorzubereiten. Die hierzu erforderlichen Zustimmungsbeschlüsse beider Verbände und beider Vorstandschaften sind zwischenzeitlich gefasst und so wird im September 2002 anlässlich der Jahrestagung auf Kloster Banz der letzte wichtige Schritt, nämlich die notarielle Beurkundung des Verschmelzungsvertrages folgen.

Das Maß der Anerkennung, das sich die "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände" in der Nachkriegszeit erwarben, drückte sich u.a. 1965 darin aus, dass auf Einladung der Staatskanzlei einige 1000 Trachtler und Schützenkompanien am Staatsempfang anlässlich des Besuches von Königin Elisabeth II. von England in München teilnahmen.

1965 gewährte der Freistaat Bayern auch erstmals einen Staatszuschuss für die Anschaffung und Erhaltung von Volkstrachten, den der Bayerische Trachtenverband auch heute noch dankbar entgegennimmt.

Die Mitwirkung der Trachtler und Trachtlerinnen bei Ereignissen von hohem öffentlichen Interesse ist vielen Fernsehzuschauern z. B. von der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1972 in München in bester Erinnerung. Sie war eine wirkungsvolle Demonstration bayerischer Volkskultur und bayerischen Brauchtums.

Die Vielfalt der bayerischen Trachten wurde 1976 in eindrucksvoller Weise in dem von den "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbänden" im Eigenverlag aus Anlass des 50. Gründungstages herausgegebenen Bildband "Bayrisch Land - Bayrisch Gwand" dokumentiert. Erläuternde Texte und 120 Farbfotos machten den Reichtum der in ganz Bayern getragenen bodenständigen Trachten sichtbar. Ein besseres Jubiläumsgeschenk hätte sich die Trachtenbewegung in Bayern nicht machen können.

1983 bewiesen die "Bayerischen Vereinigten Trachtenverbände" erneut, dass sie zu feiern wissen, als sie den 100. Geburtstag des von Josef Vogl gegründeten ersten Trachtenvereins zum Anlass eines überwältigenden Jahrhundertfestes nahmen. Nach einem Festgottesdienst auf dem Münchner Marienplatz zogen in insgesamt 74 Blöcken in Sechserreihen 23.000 Teilnehmer von 75 Musikkapellen unterstützt und begleitet von rund 550 Fahnen durch die Münchner Straßen.

Etwa 130.000 Zuschauer säumten die Straßen und bewunderten die Pracht der wirklich kleidsamen Trachten.

Dieser Festtag legte ein einmaliges Zeugnis für die Kraft der damals 775 Trachtenvereine mit ihren 125.000 erwachsenen Mitgliedern und rund 80.000 Jugendlichen und für die von ihnen verfolgten Ziele und Gedanken ab. Sie stellten die Trachtler 1989 erneut unter Beweis, als sich 14.000 an einer Wallfahrt nach Altötting beteiligten.

Trachtenwallfahrt in Maria Eck

Ein bemerkenswertes Datum aus der jüngsten Zeit ist für die bayerische Trachtenbewegung der 25.09.1994. Nach 24 Jahren kandidierte der bisherige 1. Vorsitzende nicht mehr, so dass es zu einem Wechsel an der Spitze des Verbandes kam, der bei dieser Tagung auch beschloss, künftig den Namen "Bayerischer Trachtenverband e.V." zu führen. Dem seitherigen Landesvorsitzenden Otto Dufter war es im Jahre 1999 eine besondere Freude, dass sein Vorgänger und Ehrenvorsitzender Hans Zapf eine Ausstellung "150 Jahre Lehrer Josef Vogl und die Lederhosn in der Trachtensach" zusammengestellt hatte. Sie ließ dem Vater der bayerischen Trachtenbewegung die verdiente Würdigung zuteil werden.

Sitt und Tracht der Alten wollen wir erhalten!

Die Hauptaufgabe der Trachtenvereine gibt schon der vom Lehrer Josef Vogl 1883 in Bayrischzell gegründete erste bayerische Trachtenverein beispielhaft in seinem Namen "Verein für die Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthale" vor. Die Vereinsgründer sorgten sich also um die Erhaltung der Volkstracht in ihrem eng umgrenzten Heimatgebiet, dem Leitzachtal. Genauso geht es heute den Trachtenvereinen im Bayerischen Trachtenverband in erster Linie um die in ihrer Heimat verwurzelte bodenständige Tracht. Die Tracht macht deutlich, woher man kommt und wohin man gehört.

Denn als sich im beginnenden 19. Jahrhundert neben der allmählich ausbreitenden Allerweltsmode in der bäuerlichen Bevölkerung eine eigenständige Art des Gewands entwickelte, führte das zu einer von Ort zu Ort, von Landesteil zu Landesteil unterschiedlichen Kleidung in Schnitt, Farbe und Gestaltung.

Sehr deutlich ist das z. B. bei uns in Mittelfranken zu sehen. So wie hier die Landschaft von kleinteiliger Vielfalt geprägt und die Bevölkerung konfessionell verschieden ist, so verschieden sind auch die Trachten in ihrem Charakter.

Die Trachten in den katholischen Gegenden unterscheiden sich von denen der evangelischen Gemeinden. Die Trachten der Katholiken sind farbenprächtiger und auffälliger als in den evangelischen Gegenden. Während sich in den Schnitten eine größere Übereinstimmung zeigt, sind dort die Farben gedeckter und der Schmuck ist einfacher gehalten. Von besonderer Vielfalt sind in Mittelfranken die Bänderhauben, deren Ausgestaltung vom Reichtum der Bäuerin oder des Bauernhofes bestimmt war, aus dem die Tracht stammte.

Fränkische Bänderhaube (Foto Oliver Heinl, Nürnberg)

Die noch heutige Zielsetzung ist der Grund dafür, dass die Vielfalt und der Reichtum der Trachten in Bayern erhalten geblieben sind.

Im Gauverband Mittelfranken wie auch in der "Vereinigung der bayerischen Volkstrachtenvereine links der Donau" werden allerdings noch vielfach Trachten des bayerischen Oberlandes getragen. Das steht zwar im Gegensatz zur Wurzel der bayerischen Trachtenbewegung, nämlich der Pflege der Bodenständigkeit, hat aber Gründe, die Respekt verdienen.

Gar mancher Verein in Nordbayern und insbesondere auch in Nürnberg ist in der Anfangszeit der Trachtenvereine von Männern und Frauen gegründet worden, die aus beruflichen Gründen die oberbayerische Heimat verlassen haben und die in ihrer neuen Umgebung das ihnen vertraute Kulturgut pflegen und sich so ein Stück alter Heimat erhalten wollten. Namen, wie die 1904 in Nürnberg gegründeten "D´Werdenfelser" oder weiter auch die 1907 gegründeten "D´Schlierachtaler" bestätigen das. Und in anderen Fällen war es einfach die Anziehungskraft der von Oberbayern ausgehenden Trachtenbewegung, die auch in Nordbayern zur Gründung von Trachtenvereinen führte, die sich der Erhaltung der Gebirgstracht verschrieben und das im Vereinsnamen zum Ausdruck brachten, wie z. B. der Feuchter Trachtenverein, der die ersten zehn Jahre seines Bestehens den Namen "GTEV Almfrieden" trug, ehe er sich 1935 "Zeidler- und Volkstrachtenverein" nannte und damit die Hinwendung zum hier Bodenständigen verdeutlichte. So entdeckten immer mehr fränkische Trachtenvereine die Schönheit und den Wert der Trachten ihrer eigenen Heimat und legen damit ein Bekenntnis zu ihrer fränkischen Heimat ab. Damit unterstreichen sie, was schon beim ersten Zusammenschluss mehrerer Gauverbände des Oberlandes im Jahre 1925 als Ziel ausgegeben wurde: dass die Gebirgstracht nicht eine Art Nationaltracht werden soll, sondern dass sie nur dort getragen werden soll, wo sie daheim ist.

Neben der Hauptaufgabe, der Pflege der bodenständigen Tracht, widmen sich die Trachtenvereine dem übrigen bodenständigen Brauchtum.

Auch in dieser Beziehung hat ihnen der Lehrer Josef Vogl schon 1883 ein Beispiel gegeben. Denn ein weiterer Zweck des von ihm gegründeten ersten bayerischen Trachtenvereins war auch die Neubelebung des "Gebirgs-Volks-Gesangs", also des Volksliedes und der Volksmusik. Einen besonderen Aufschwung erfuhr dieses Aufgabengebiet durch die Arbeit des "Volksliedervaters" Kiem Pauli. Ihm und seinen Mitarbeitern ist es zu verdanken, dass das echte Volkslied wieder Fuß bei den Menschen gefasst hat. Seine in den 20er Jahren begonnene Arbeit trug besonders nach dem 2. Weltkrieg reiche Früchte. "Kinder- und Jugendsingen", "Sänger- und Musikantentreffen" und "Volksliedersingen" sind seitdem in den bayerischen Trachtenvereinen und Gauverbänden feste Einrichtungen geworden. Dazu haben auch die von Wastl Fanderl betreuten Volksmusiksendungen "A weni kurz, a weni lang" beigetragen.

Festgottesdienst 100 Jahre Bayer. Trachtenverband - 1983 - München

Mit der Wiederbelebung der Volksmusik nahm die Pflege des Volkstanzes zunehmend größeren Raum in der Arbeit der Trachtenvereine ein.

Wenn auch die Trachtenpflege die erste und wichtigste Aufgabe eines Trachtenvereins ist, so bringt der Tanz das Leben in den Verein. Dafür sorgt nicht zuletzt die Fülle der von Region zu Region unterschiedlichen Volkstänze.

Verbreiteter als die Pflege der üblichen Volkstänze war in den Trachtenvereinen schon sehr bald das Schuhplatteln. Vom Ursprung her ist dieser Tanz ein Werbungstanz, in dem der Bursch durch sein kraftvolles Tanzen, Springen und Schlagen um die Gunst des Dirndl wirbt. Kein Wunder, dass ein solcher Tanz überall seine Anhänger fand. Im Laufe der Zeit bildeten sich immer mehr Formen des Schuhplattelns heraus, die in den Trachtenvereinen ihre Heimat gefunden haben. Der "Watschenplattler" ist dagegen der Trachtenbewegung fremd und eine Verfälschung des echten Schuhplattelns.

Josef Vogl - Gründer des 1. Trachtenvereins in Bayern

Zuhause ist in den Trachtenvereinen auch die Pflege der Mundart. Das geschieht häufig durch das Theaterspielen und nicht zuletzt durch den Gebrauch der heimatlichen Grußform "Grüß Gott".

Eine weitere selbstverständliche Aufgabe der Trachtenvereine besteht darin, echte bodenständige Bräuche des jeweiligen Heimatgebietes am Leben zu erhalten. Dazu gehören die angemessene Gestaltung von Familienfesten, die Mitwirkung an den Festen des Kirchenjahres und die Pflege örtlicher Gebräuche, wie das Aufstellen des Maibaums oder Kärwabaums.

Mit diesen sich selbst gestellten Aufgaben wollen die Trachtenvereine ihren aktiven Beitrag zur örtlichen Heimatpflege leisten und dazu beitragen, dass das gewachsene und überlieferte Kulturgut des Volkes in seiner ganzen Vielfalt und seinem Reichtum erhalten bleibt. Sie sehen darin und im Festhalten am Bewährten einen Ausdruck gewachsener Lebenskultur und besonderer Reife und das Gegenteil von geistiger Unbeweglichkeit.

Um den einzelnen Trachtenvereinen die Arbeit zu erleichtern, hat der Bayerische Trachtenverband mit dem Ziel einer gemeinsamen Grundlage von Anfang an Richtlinien zur Trachten- und Heimatpflege herausgegeben. Sie wurden später durch einen Leitfaden zur Gestaltung von Heimatabenden ergänzt, der Hinweise dafür gibt, wie Trachtenvereine in unterhaltsamer und gefälliger Form von Land und Leuten, von Eigenart und Geschichte, von Brauchtum und Kultur der Heimat Zeugnis ablegen können.

Den Richtlinien und dem Leitfaden liegt die Erfahrung zugrunde, das alles, was echt ist und aus dem Herzen kommt, von Kitsch, Krampf und Verfälschung gefährdet ist.

Vor diesen Gefahren rechtzeitig und hörbar zu warnen und ihnen zu widerstehen, sieht der Bayerische Trachtenverband und die in ihm vereinten Gauverbände als wichtigen Teil ihrer Verbandsarbeit an. Das haben die Verantwortlichen schon 1925, dem Jahr des ersten Zusammenschlusses mehrerer Gauverbände, erkannt und sich deshalb als ihr und ihrer Trachtenzeitung Wahrzeichen den Schmied von Kochel gewählt, wie er vor einem Bergmassiv Angriffe abwehrt. Dieses Bild erinnert daran, wie Bauern aus dem Oberland 1705 bereit waren, ihre Heimat gegen Besatzungstruppen und die Obrigkeit zu bewahren. In dieser Tradition hat es der Bayerische Trachtenverband immer als seine Aufgabe angesehen, mit deutlichen Worten öffentlich dafür einzutreten, dass das heimatliche Brauchtum erhalten bleibt.

In den letzten 25 Jahren gehört dazu das Eintreten für den Heimatkundeunterricht in den Schulen, für die Erhaltung der Ortsnamen und die Erhaltung der Feiertage.

Der Bayerische Trachtenverband hat beim Bayerischen Rundfunk gegen Kürzungen und Verlegungen der Sendezeiten protestiert und eine angemessene Berücksichtigung der Volksmusik gefordert. Schon 1993 hat er die Aktion "Sonntag muss Sonntag bleiben" unterstützt.

Sein Vorsitzender nimmt sich die Freiheit, öffentlich klarzustellen, dass Frauen in Lederhosen, üppige Ausschnitte bei Dirndln und die neuesten Kreationen der Landhausmode mit einer traditionsreichen Tracht genauso wenig zu tun haben wie schuhplattelnde Frauen mit bayerischem Brauchtum.

Auftritt der Trachtler beim Deutschen Turnfest - München

Mit seinen öffentlichen Äußerungen bemüht sich der Bayer. Trachtenverband erfolgreich, die Trachtlerinnen und Trachtler in ihrem Mut zur Individualität und ihrem stolzen Selbstverständnis zu bestätigen.

Diese Eigenschaften und die Gemeinschaft in der Trachtenbewegung stärken die Treue zum guten alten Brauch, die sich die Trachtenvereine auf ihre Fahnen geschrieben haben.

(Hannes Schönfelder)
Quellen: Bayrisch Land - bayrisch Gwand, Traunstein 1976; Das Jahrhundertfest der bayrischen Trachtler, Traunstein 1983; Zellner/Kraus/Zapf, 75 Jahre Bayerischer Trachtenverband, 1999; Zapf, Wißts wos, gründ ma an Verein, Bayerischer Trachtenverband e.V., Traunstein 1999

 

 

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