|
|

|
Der Markt Feucht kann auf eine beachtliche Vergangenheit zurückblicken und ist in der Gegenwart voller Leben.
Die erste urkundliche Erwähnung hat Feucht der Kirche zu verdanken. Sie findet sich in einem Verzeichnis des Eichstätter Bischofs Otto, dem Gundekarianum, aus dem hervorgeht, dass in Feucht 1189 eine Kapelle geweiht worden ist. Möglicherweise steht heute an ihrer Stelle die evangelische St. Jakobs-Kirche. Ihre heutige Gestalt hat sie 1950/51 erhalten, als die 1943 durch Bomben zerstörte Kirche kleiner als zuvor wiederaufgebaut war. Der Name St. Jakob weist darauf hin, dass die Kirche an einem der vielen Jakobswege lag, die nach Santiago de Compostella führten.
1525 wurde die St. Jakobs-Kirche evangelisch, als der Rat der Freien Reichsstadt Nürnberg, zu deren Rechtskreis Feucht gehörte, die Einführung der Reformation beschloss. Bemerkenswert ist die vor vielen fränkischen Kirchen zu findende Ölberggruppe auf der Ostseite der Kirche, deren Christusfigur die Bombennacht vom August 1943 weitgehend unversehrt überstand.
|

Katholische Kirche Herz -
Jesu - Feucht
|
Katholisches Gemeindeleben entwickelte sich in Feucht erst wieder, als mit dem Bau der Eisenbahnlinie Nürnberg - Regensburg, die 1871 in Betrieb genommen wurde, katholische Arbeitskräfte nach Feucht kamen. Gut 20 Jahre später sorgte der Kiefernspanner für weiteren Zuzug von Katholiken, die als Waldarbeiter aus katholischen Gegenden in den Wäldern um Feucht eingesetzt wurden.
So konnte die katholische Kirchengemeinde schon 1903 die heutige Herz-Jesu-Kirche errichten, die ebenfalls 1943 durch Bomben erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. 1955/56 wurde die Kirche renoviert und erweitert.
Von kunsthistorischem Wert sind die beiden Seitenaltäre. Angenommen werden darf, dass sie ursprünglich einen Altar bildeten, nämlich den Jakobsaltar der Schlosskirche von Lauf-Schönberg. Das Verhältnis der Konfessionen, dass sich zahlenmäßig angeglichen hat, zeichnet sich durch ein gutes Miteinander aus.
|

Evangelische Kirche St.
Jakob - Feucht
|
Die älteste weltliche Urkunde, in der Feucht genannt wird, stammt aus dem Jahr 1296 und befasst sich mit den Zeidlern. Zeidler wurden die Männer genannt, die das Recht hatten, Waldbienen zu fangen und zu halten. Als Gegenleistung für dieses Recht mussten die Zeidler zuerst Honig abliefern und später das sogenannte Honiggeld entrichten.
Die Urkunde gibt Auskunft darüber, dass die Zeidler ihre eigene Gerichtsbarkeit hatten. Diese besondere Stellung wurde ihnen 1350 durch Kaiser Karl IV. noch einmal ausdrücklich bestätigt. Die Bedeutung der Zeidlerei für Feucht wird daran sichtbar, dass ein mit einer Armbrust bewaffneter Zeidler das Feuchter Wappen ziert und dass Feucht über ein Zeidelmuseum in einem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1709 verfügt, in dem die Geschichte der Imkerei gezeigt wird. Das Zeidlerwesen ging schon im 15. Jahrhundert zurück. Eine Ursache war das Verdrängen der Mischwälder durch die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einsetzenden Nadelholzaussaaten.
|

Zeidler - Museum - Feucht
|
Bedeutsam für Feucht war seine Verbindung mit der Freien Reichsstadt Nürnberg, die 1294 ein Aufsichtsrecht über die Wälder um Nürnberg erhielt und 1415 das Pfandrecht aus dem Honiggeld erwarb. 1431 ließ sich Nürnberg vom Kaiser Sigismund das Recht einräumen, Feucht zu befestigen, und erhielt den "Zeidel-Freyheit-Brieff", in dem den Zeidlern ihre Standes-Rechte und Pflichten bestätigt wurden durch Ergänzung und Erweiterung des Machtbereichs des Zeidelmeisters und des Zeidelgerichts. Auch wenn es nie zur Befestigung des Marktes gekommen ist, leitet sich aus diesem Recht der Status als Markt ab. Von Bedeutung für Nürnberg war Feucht wegen seiner günstigen Verkehrslage an der Handelsstraße über Regensburg nach Österreich und Ungarn und über Salzburg nach Oberitalien und Venedig.
So war Feucht ein wichtiger Ort, in dem das Handwerk blühte und viele Gasthäuser für die Unterkunft der Durchreisenden sorgten. Wegen der guten Verkehrslage entstand schon 1685 eine Posthalterei der Thurn und Taxis in Feucht. Die Beziehung zu Nürnberg brachte auch Nachteile mit sich. Feucht wurde zweimal Opfer der
Auseinandersetzungen zwischen Nürnberg und dem Markgrafen, dem früheren Burggrafen von Nürnberg, und zwar 1449/50 und 1552/53.
|

Zeidlerschloss - Feucht
|

Pfinzingschloss mit
Hermann - Oberth - Raumfahrtmuseum - Feucht
|
Aus den Jahren nach dem 2. Markgrafenkrieg stammen drei bedeutende Bauwerke, Herrensitze Nürnberger Patriziergeschlechter, die heute noch erhalten sind: das Zeidlerschloss, das Pfinzingschloss und das Tucherschloss.
Die beiden erstgenannten sind Eigentum des Marktes. Das Pfinzingschloss wurde im Volksmund auch
Oberth - Schloss genannt, weil es von 1943 bis 1988 im Eigentum der Familie von Prof. Dr. Hermann Oberth stand, der einer der Väter der Raumfahrt ist. Das
Hermann - Oberth - Raumfahrtmuseum, das ihm zu Ehren entstanden und in den Nebengebäuden des Pfinzingschlosses untergebracht ist, informiert mit vielen wertvollen Ausstellungsstücken, unter anderem mit einem originalgroßem Modell des Sputniks, über die noch junge Geschichte der Raumfahrt.
|

Parntergemeinde
Leutschach - Steiermark
|

Partnergemeinde
Crottendorf - Erzgebirge
|
Bestimmend für die letzten 125 Jahre der Geschichte Feuchts sind die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Nürnberg - Regensburg und die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Eisenbahn zog größere Gewerbebetriebe an. Die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie ging in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen weiter. U.a. ließ sich eine Landmaschinenfabrik nieder, aus der die "Fella
- Werke" hervorgingen.
Die Entwicklung machte den Bau neuer Wohnungen nötig, so dass vier kleinere Siedlungen entstanden mit Einfamilienhäusern, großen Gärten und der Möglichkeit der Kleintierhaltung. Anders fielen die von einer Baugenossenschaft in Bahnhofsnähe errichteten Häuser aus, in denen 57 Mietwohnungen geschaffen wurden.
Nach 1945 wuchs Feucht sprunghaft. Einmal durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, u. a. von 850 Sudetendeutschen. Zum anderen durch den Zuzug aus Nürnberg, so dass den 3231 Einwohnern 1939 heute 13700 gegenüberstehen.
(Die Verwendung der Fotos hat freundlicherweise der Markt Feucht gestattet)
(Hannes Schönfelder)
|